Besarta Qorrolli (12/2025)

„In diesem Moment fühlte ich mich plötzlich dazugehörig.“

Zwischen Fremdsein und Zuhause

Als ich nach Wackersdorf kam, war ich nicht einfach neu in einer Schule.
Ich war neu in einem Leben. Ich hatte nur meine Schwester. Alles andere war fremd: die Sprache, die Gesichter, die Regeln. In den Fluren hörte ich Wörter, die ich kaum verstand. Ich sprach Englisch und ein bisschen Deutsch – aber das reichte nicht, um dazuzugehören. In den Pausen stand ich oft am Rand.
Ich tat so, als würde ich auf mein Handy schauen.

In Wahrheit hatte ich Angst. Angst, etwas Falsches zu sagen. Angst, ausgelacht zu werden. Manchmal wollte ich einfach nur nach Hause – dorthin, wo ich wusste, wie ich sprechen muss und wer ich bin. Dann kam dieser eine Moment. Ein Mädchen blieb vor mir stehen. Sie sah mich an und fragte leise:
„Bist du Albaner?“

Es war nur ein Satz. Aber für mich war es wie eine Tür, die sich öffnete. Wir sprachen Albanisch. Zwischendurch ein paar deutsche Wörter, ein paar englische Sätze – und viel Lächeln. Sie half mir, Deutsch zu lernen. Aber noch wichtiger: Sie gab mir das Gefühl, dass ich nicht falsch bin. Plötzlich wartete jemand auf mich in der Pause. Plötzlich war ich nicht mehr unsichtbar.

Mit der Zeit wurde mein Deutsch besser. Aber was wirklich stark war, war von Anfang an unsere Freundschaft. Sie sagte mir immer wieder, ich solle keine Angst haben, Fehler zu machen. Dass jeder Fehler ein Schritt ist.

Heute ist sie nicht nur meine Freundin. Sie ist wie eine Schwester. Diese Begegnung hat mir gezeigt:
Zuhause ist nicht nur ein Ort. Manchmal ist es ein Mensch.

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