Mine Al-Sammarraie (11/2025)

Als ich nach Deutschland ging, blieb sie am Flughafen zurück. Ich versuche manchmal, diesen Moment nicht zu lange zu denken – aber ich sehe ihn noch genau vor mir.Am Anfang war alles schwer. Neue Stadt. Neue Sprache. Neue Menschen.
Und abends war es am schwersten. Wenn es still wurde und ich wusste: Meine Mama ist nicht im nächsten Zimmer. Sie ist in einem anderen Land. Wir haben viel telefoniert. Manchmal nur zwei Minuten. Manchmal eine Stunde.
Oft haben wir uns gegenseitig gesagt: „Alles ist gut.“ Auch wenn es nicht immer so war. Ihre Stimme hat mir Kraft gegeben. Sie hat mir Mut gemacht, auch wenn ich selbst nicht daran geglaubt habe.
In Deutschland habe ich neue Menschen kennengelernt. Ich habe gelernt, allein zum Amt zu gehen, Formulare zu verstehen, Entscheidungen selbst zu treffen. Dinge, die früher meine Mama für mich geregelt hat. Ich bin selbstständiger geworden.
Aber ich habe auch gelernt, wie sehr Familie fehlt, wenn sie nicht da ist. Heute weiß ich: Manchmal muss man sich trennen, um eine Zukunft aufzubauen. Aber Liebe bleibt – auch über Länder hinweg. Diese Zeit hat mich verändert. Sie hat mich stärker gemacht. Aber sie hat mir auch gezeigt, wie viel ein Mensch bedeuten kann.